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| Print-Ausgabe: Chiemsee Herbst/Winter

Hotel berge

Das unbekannte Highlight von Aschau

In der Bilderbuchlandschaft zwischen Kampenwandgipfel, Burg Hohenaschau und Heinz Winklers „Residenz“ versteckt sich ein weiteres, noch relativ unbekanntes Highlight von Aschau: „berge“, ein Gästehaus mit 13 Zimmern, das 2010 den begehrten Deutschen Designpreis gewann. Der Mann hinter dem „Wahnsinnsprojekt“ heißt Nils Holger Moormann und ist „der“ Protagonist des „Neuen Deutschen Designs“. Seit ein paar Jahren mit seiner Möbelfirma in Aschau ansässig, kaufte er ein halb verfallenes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das schon eine Bäckerei, ein russisches Restaurant und ein Schullandheim beherbergte. Moormann ließ das Haus weitgehend naturbelassen restaurieren und bereicherte es mit Möbeln aus seinem Sortiment, die oft sehr schräg und sehr individuell sind. Es finden sich aber auch Klassiker wie z. B. der Plastic Side Chair von Charles und Ray Eames. Ansonsten dominieren dicke Holzböden aus unbehandelten Hochgebirgsfichten, alte Balken und grob verputztes Mauerwerk. Wer 5-Sterne-Luxus sucht, ist fehl am Platz. Es gibt keine Rezeption, keinen Frühstücksservice, kein Restaurant, kein Spa, keinen Fernseher und keinen Internetanschluss. Dafür gibt es „sehr kleine, urige Bäder“ und ein „Literatenkammerl“. 13 verschiedene Appartements zählt das Gästehaus, sie heißen „Sommerloch“, „Liftstube“, „Gipfelstürmer“, „Straßenfeger“ oder „Hohe Kammer“. Und sie sind so ungewöhnlich wie das Moormannsche Design. Dem Erfolg tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Handwerker schraubten noch im Dachgeschoss, da waren darunter die Appartements schon vermietet – für einen Euro pro Nacht.

Schlagworte:

Hotel , Design