Kräuterlexikon: Viscum album - Mistel
Vogelmistel, Hexennest oder Hexenbesen nennt man diese Halbschmarotzerpflanze im Volksmund. Sie gilt schon seit alters her als Zauberpflanze, weil eine Pflanze, die zwischen Himmel und Erde im „Zwischenreich“ wächst, nur von den Göttern kommen kann. In der griechischen Mythologie ist sie der Schlüssel zur Unterwelt. Den Kelten war sie heilig. Besondere Rituale waren zu ihrer Ernte notwendig, etwa die goldene Sichel, mit der sie geschnitten wurde. Sie war Bestandteil vieler „Zaubertränke“ und hoch geschätzt als Heilpflanze. Ihr keltischer Name „Soliacos“ bedeutet frei übersetzt Allheilmittel.
Die meiste Heilkraft haben wohl die Eichenmisteln, die eine eigene botanische Gattung darstellen, und wirklich nur auf Eichen wachsen. Aber auch alle anderen sind zu verwenden, am besten nimmt man solche, die ohne großen Aufwand zu erreichen sind, z. B. vom Apfelbaum im Garten. Bringen Sie sich bei der Ernte nicht unnötig in Gefahr. Man sammelt die Blätter und kleinen Stängel, im März und April, wenn die Pflanze kurz vor der Blüte steht oder von Oktober bis Dezember, wenn die Früchte reif sind. Diese werden entfernt, da sie giftig sind. Das Sammelgut muss sorgfältig getrocknet und kleingeschnitten werden.
Man bereitet Misteltee nur als Kaltauszug. 1-2 Teelöffel geschnittenes Kraut mit ¼ Liter kaltem Wasser übergießen und über Nacht stehen lassen, abseihen und vor dem Trinken leicht anwärmen aber nicht zu stark erhitzen. 2 Tassen täglich sind die richtige Dosis bei der auch keine Nebenwirkungen zu befürchten sind.
Bei diesem Kraut berufe ich mich wieder auf Paracelsus und seine berühmte Aussage „die Dosis macht’s, ob ein Ding Gift sei oder Arznei“, da die Pflanze an sich als leicht giftig eingestuft ist. Ich denke dabei vor allem daran, wie viele schädliche Zusätze in industriellen Medikamenten verarbeitet werden, von denen man als Patient nichts weiß. Die Mistel wirkt normalisierend auf den gesamten Körperhaushalt, ob Blutdruck, Stoffwechsel oder Hormone und sie ist ein blutstillendes Mittel. Der Tee, oder auch andere Mittel aus Reformhaus oder Apotheke, senkt zu hohen und hebt zu niedrigen Blutdruck. Nervöse Herzstörungen sind das Hauptanwendungsgebiet. Aber auch Kreislaufprobleme wie Schwindel und Kopfweh, Wechseljahrsbeschwerden wie Wallungen, Herzklopfen und -jagen, Angstgefühle, Menstruationsbeschwerden und zu starke Blutungen verschwinden wieder. Manchmal hilft die Mistel sogar bei Unfruchtbarkeit der Frau. Hier ist Mistelsaft (z. B. aus der Apotheke) die bessere Behandlung: 25 Tropfen in etwas Wasser, morgens nüchtern eine halbe Stunde vor dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen, wenn nötig über längere Zeit.
Bei Störungen von Stoffwechsel und Drüsentätigkeit (wie z. B. Diabetis) kann die Mistel hilfreich sein. Wenn sie an einer chronischen Stoffwechselerkrankung leiden, sollten Sie versuchen, kurmäßig über ein halbes Jahr, täglich 2 Tassen Misteltee, schluckweise über den Tag verteilt, zu trinken. Zusammen mit Weißdorn ist die Mistel ein gutes Herzstärkungsmittel vor allem für ältere Menschen. Außerdem wirkt sie stärkend auf den Allgemeinzustand, wodurch eine Anwendung in der Genesungszeit nach schweren Infektionen zu empfehlen ist. In der Homöopathie verwendet man sie um das Wohlbefinden älterer Leute zu verbessern, zur Vorbeugung und Linderung von arteriosklerotischen Beschwerden sowie gegen Schwindelanfälle und Epilepsie. Sogar in der Krebstherapie wird die Mistel erfolgreich eingesetzt. Eine notwendige Chemotherapie kann sie bisher noch nicht ersetzen, aber sie hebt erwiesenermaßen die Lebensqualität der Patienten.
Ihre Kräuterfrau
