Logo Trendguide

Ihr aktueller Standort: München
Meinen Standort ändern help
| Print-Ausgabe: Pocking Aktuell Februar 2012

Hans Göttler: Die Semmel an der Haustür

Eine rätselhafte Geschichte aus der Pockinger Heide

Es war am Samstag, 7. Januar 2012, so kurz nach dem Mittagessen. Ich sitze nach dem Essen – es gab natürlich die besten Pockinger Weißwürste, Sie erinnern sich!? –, trinke meinen Espresso, gebraut in der besten Espresso-Maschine, die „wo“ man im Pockinger E-Zätt vor Jahren kaufen konnte, versuche den bisher längsten samstäglichen Stau des Jahres 2012 auf den besten Pockinger Kreiseln innerlich zu verarbeiten und lese über die neuesten Mailboxereien des besten Präsidentendarstellers aus Po… nein, das nun doch nicht!!! Während der Lektüre höre ich das Geräusch eines Autos, das vor der Haustüre stehen bleibt, vernehme, wie jemand – aller Wahrscheinlichkeit nach der Fahrer/die Fahrerin des Wagens – das Auto verlässt, nach ein Paar Sekunden dieses aber wieder besteigt, die Wagentüre laut schließt und wegfährt. Da die Zeitungslektüre so fesselnd ist, kann ich mich nicht von ihr fortreißen und gehe erst nach einigen Minuten zur Haustüre. Was sehe ich? 

An der Außenklinke der Tür hängt eine Plastikeinkaufstasche, 27 cm breit, 42 cm lang, mit der Aufschrift der Pockinger Großbäckerei

„Bachmaierkarlstetterkerschervormalslorenzlengdoblerwagnervormalshöchtl“. 

Die Tüte enthält zwei Exemplare der Zeitschrift „Pocking aktuell/Das Magazin fürs Golf- und Thermenland, Ausgabe 8, Januar 2012“ und … eine ganz einfache Bäckersemmel, 60 g (mit meiner Briefwaage gewogen), in Farbe und Formgebung den künstlerisch wertvollen Holzskulpturen des Kulturpreisträgers Peter Wagensonner („Bruder Baum“) nicht unähnlich! 

Ich bin verblüfft, ratlos! Was soll das sein? Ist das die feministische Antwort auf „Bruder Baum“, also etwa „Schwester Semmel“? Ist es ein Gruß meines in der Ewigkeit weilenden Lateinlehrers, der uns einstens mit dem Spruch: „…in die semel, bis, ter, quater, quinquies“ das lateinische „einmal, zweimal usw.“, mit Hilfe dieser Eselsbrücke beibringen wollte? Ist es ein Gruß der Mafia? Aber die schicken doch eher tote Tiere! Nun, auch die Semmel ist alles andere als lebendig, aber Mafia in Pocking? Nie gehört bisher! Ist es ein Geschenk der Pockinger Großbäckerei (s. Tütenaufdruck), ein Bestechungsversuch, damit ich der hiesigen Bäcker-Innung den „Wulff“ mache? Ist es ein dezenter Hinweis der netten Dame vom Kommunalen Verkehrsüberwachungsdienst, dass ich schon mehrfach die Pockinger „Semmeltaste“ nicht gedrückt habe? Oder steckt in der Semmel vielleicht ein Kassiber aus dem Pockinger Rathaus mit dem Text: „Zwei Worte: Mechtilde Lichnowsky!“? Ich überlege hin und her: soll ich die Semmel, die lecker duftet, gleich verspeisen, soll ich sie in der Bio-Tonne entsorgen, um ja nicht in irgendeinen Verdacht zu geraten? Aber, ist es auch eine Bio-Semmel, so dass sie in der Bio-Tonne landen dürfte? 

Plötzlich kommt mir die Erleuchtung! Die Semmel ist eine milde Gabe von „Pocking aktuell“-Chefredakteur Martin Semmler, M.A., den ich via Mail-Box, aber ohne jedes wulffische Gehabe um die Lieferung einiger Belegexemplare des Januar-Hefts 2012 gebeten hatte. Magister Semmler, Abkürzung „sam“, nenne ich immer den „Doktor Semmel“, in Erinnerung an den ihm körperlich durchaus ähnlichen, zarten, gertenschlanken, geradezu engelsgestaltigen Psycho-Arzt Dr. Semmel aus der Wiener Irrenanstalt Steinhof (TV-Serie „Kaisermühlenblues“)! 

Und der Martin ist eben ein großer Meister der Schreiberzunft, dem Esprit, Ironie und Kreativität zu Gebote stehen! Kein Wunder, hatte er doch einstens im frühen Knabenalter den besten Rottaler Deutschlehrer als Ausbilder. Daher legte er keine einfache Visitenkarte dieser Lieferung bei, sondern sein Markenzeichen, die „Semmel“! Danke, lieber Doktor Semmel, dass Du meine rapide alternden grauen Zellen etwas in Bewegung gebracht hast; die Semmel schmeckte übrigens hervorragend, aber beim nächsten Mal bitte läuten, dann kriegst Du auch einen Espresso! Die Semmel dazu werden wir uns natürlich teilen, als „Martin“ bist Du das Teilen ja gewöhnt! 

Pfüadi Good! 

Dr. phil. Hans Göttler: 

- Münchner Turmschreiber Dr. phil. Hans Göttler 

- Akademischer Direktor an der Universität Passau im Fachbereich Germanistik 

- Geboren 1953 als Gastwirtsund Weißbräu-Sohn in Simbach am Inn und dort aufgewachsen 

- Herausgeber verschiedener Autorinnen und Autoren aus Niederbayern (z.B. Emerenz Meier, Wilhelm Diess, Max Peinkofer)

- Schrift- und „Sprech“-Steller sowie Vorleser 

Öffentliche Lesungen von Dr. Hans Göttler im Februar 2012 

Sa, 4. 2.2012,19.00 Uhr: Passau, Hl.-Geist-Kirche, Heilig-Geist-Gasse 8a, 

„Um a Fimfal an Durchanand!“ – Faschingslesung mit musikalischer Umrahmung. Info: 0851/7925 Hildegunde Brummer 

Sa, 26.2.2012,18.00 Uhr: Simbach am Inn, Weißbräu Göttler, Pfarrkirchner Str. 24, Literaturdinner „Max u. Moritz in Weiß-Blau“. Musik: Caroline Schmidt-Polex, M.A. (Konzertharfe)

Schlagworte:

Semmel, Hans Göttler